SymbolbildHochschule Esslingen - Stadtmitte
Menschen wie Gesellschaften reagieren emotional auf Krisen, in erster Linie verbinden wir unsichere Zeiten mit negativ besetzten Gefühlen, mit Angst oder Sorge. Das ist verständlich und als Schutzreaktion in einer Bedrohungssituation durchaus wichtig, aber nicht die einzig denkbare Reaktion. Schon seit der Vormoderne nutzen religiöse und staatliche Akteure solche Unsicherheit gezielt aus, um im Gegenzug Gewissheit und Orientierung zu versprechen. Im 19. und 20. Jahrhundert dagegen wurden Hoffnung und Zuversicht als treibende Kräfte für gesellschaftlichen Fortschritt und Selbstwirksamkeit entdeckt. Im 21. Jahrhundert schwindet das Vertrauen in gesicherten Fortschritt zusehends, und Zuversicht scheint zunehmend wieder durch kollektive Ängste ersetzt. Vor dem Hintergrund der historischen Bedeutungen und Wandlungen von Gefühlen im gesellschaftlichen und politischen Kontext entwickelt der Vortrag ein differenziertes Bild. Er endet mit einem leidenschaftlichen Plädoyer, in unsicheren Zeiten auch positive Gefühle walten zu lassen, um die eigene wie gesellschaftliche Resilienz und Zukunftsfähigkeit zu stärken. Referentin: Prof. Dr. Dr. Ute Frevert, Historikerin, Präsidentin der Max Weber Stiftung, Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina