SymbolbildHeidelberger Kunstverein
In diesem Vortrag beschäftigen wir uns mit der sozialen Bedeutung von Stimme in digitalen Kontexten. Aus sprachwissenschaftlicher Sicht steht Stimme für zentrale Aspekte des menschlichen Sprachhandelns: Stimme ist zutiefst verkörpert – sie wird mit den Lungen, den Artikulationswerkzeugen, der Mimik und Gestik hergestellt; aber Stimme ist auch metaphorisch – sie wird als Ausdruck unserer Identität, unserer Selbstwirksamkeit, unserer Agentivität verstanden. Digitale Stimmpraktiken der Gegenwart fordern dieses humanistische Verständnis von Stimme heraus. In digitalen und populärkulturellen Kontexten ist Stimme heute oft moduliert oder synthetisiert: AI Voice Clones ahmen Prominente nach; Plattformen wie TikTok haben ihren Ursprung in Lyp-Synching; popmusikalische Stimmen werden mit Autotune optimiert. Digitale Stimmpraktiken auf Social Media fordern unser Verständnis von der menschlichen Stimme heraus und laden uns ein, genauer hinzuhören. Im Vortrag greifen wir Themen der Ausstellung auf: Stimme als nichtmenschlich, Stimme als geschlechtlich ambivalent, Stimme als Performance.Theresa Heyd ist Professorin für Englische Sprachwissenschaft an der Universität Heidelberg. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Soziolinguistik: Sprache und digitale Praxis, Sprache und Geschlecht. Ihr aktuelles Buch untersucht die affektive Dimension von digitalem Sprachgebrauch (Sociolinguistics of Digital Affect, Bloomsbury, im Erscheinen). Sie ist Mitglied im DFG-Netzwerk Queerlinguistik. Gemeinsam mit Daniela Landert leitet sie das Forschungsprojekt Digital Voice. Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich.





