
Theaterhaus Stuttgart
Ein Doppelabend, der die Herzen höher schlagen lässt! Nicht nur vereint LUCK / UNLUCK gleich zwei der drei Artists in Residence von Gauthier Dance. Das Stücke-Duo punktet zudem mit einem starken Kontrast voll spielerischer Spannung. Eric Gauthier hat mit dem Gegensatz, der dem Programm seinen Namen gibt, bei beiden Künstler:innen einen Nerv getroffen.
Denn sowohl für Aszure Barton als auch für Hofesh Shechter hängen diese Kategorien ganz unmittelbar mit dem Schaffensprozess selbst zusammen. Oder anders ausgedrückt: Eine neue Kreation ist immer auch eine Wette. Auch Hofesh Shechter geht eine Wette ein.
Mehr noch: Mit Any way the wind blows geht er aufs Ganze und fordert das Schicksal heraus. Hinter dieser Absichtserklärung verbirgt sich mindestens ebenso viel Selbstironie wie bange Erwartung.
Der Choreograph aus Großbritannien legt es darauf an, den Probenprozess für sein neues Stück in eine Mutprobe zu verwandeln – wie er halb augenzwinkernd, halb ernst gemeint sagt. Shechter: „Als kreativer Mensch will ich glauben, dass die Wirkung, Qualität und Authentizität meiner Arbeit nicht von einer abergläubischen Einstellung oder vom Glück abhängt.“ Dumm nur, dass Shechter seinen Alltag bis jetzt offenbar mit allerlei kleinen abergläubischen Ritualen gepflastert hat. Dazu gehören banale Dinge wie morgens das Bett zu machen und bloß nicht die Hose zu wechseln, solange der Schaffensprozess läuft. Aber auch psychologisch Grundsätzlicheres ist dabei. Zum Beispiel nie im Vorfeld positiv über die entstehende Choreographie zu sprechen. Bei den Proben keine Presse zulassen.
Doch damit ist jetzt Schluss! Shechter macht sich daran, in großem Stil das eigene Unglück heraufzubeschwören. Mutwillig bricht er sämtliche selbst gesetzten, bewährten eisernen Regeln. Dass er damit gegen all seine Instinkte arbeitet? Geschenkt! Denn es winkt ein Erkenntnisgewinn, der weit mehr zählt als der Erfolg oder Misserfolg einer einzelnen Premiere: endlich herauszufinden, was passiert, wenn wir unsere eingefleischten Gewohnheiten über Bord werfen. Der frühere H. Shechter hätte gefürchtet: „Auf diese Weise wird mein neues Stück garantiert ein künstlerisches Desaster.“ Der neue Hofesh S. sagt: „Mein neues Stück wird ein Triumph.“ Das wäre dann also … UNLUCK.
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