
Universität Stuttgart – Institut für Raumfahrtsysteme – Mediathek (0.49)
Was hat ein Forschungsaufenthalt in der Antarktis mit einer Mission im All gemeinsam? Erstaunlich viel: extreme Isolation, begrenzte Ressourcen, technische Systeme, die zuverlässig funktionieren müssen, und ein kleines Team, das über Monate auf engstem Raum zusammenlebt. Im Notfall ist eine Evakuierung schwieriger als von der Internationalen Raumstation ISS. Die Neumayer-Station III wird deshalb nicht umsonst manchmal als eine Art „Raumstation im Eis“ bezeichnet.
−50 °C, Windgeschwindigkeiten von über 200 km/h und mehr als acht Monate völlige Isolation machen den Aufenthalt auf dem antarktischen Schelfeis zu einer außergewöhnlichen Herausforderung. Während der antarktischen Winternacht verschwindet die Sonne für mehr als zwei Monate, die nächsten Menschen leben 300 Kilometer entfernt. Ein neunköpfiges Team hält in dieser Zeit die Station am Laufen – von Strom und Wasser über die Verpflegung bis hin zum wissenschaftlichen Programm.
Lukas Weis hat diese Erfahrung selbst gemacht. Von November 2024 bis Dezember 2025 war er auf der Neumayer-Station III und betreute dort das Spurenstoffobservatorium. Rund 1,5 Kilometer südlich der Station stehen Messinstrumente im Dauerbetrieb und liefern unter anderem Daten zu Aerosolen und Treibhausgasen. Jeden Tag ging es zu Fuß oder auf Skiern zum Messcontainer, denn Fahrzeuge hätten die empfindlichen Messungen verfälscht.
In seinem Vortrag nimmt Lukas Weis die Anwesenden mit ans Ende der Welt und zeigt, wie sich das Leben und Arbeiten unter Bedingungen anfühlt, die in vielerlei Hinsicht an eine Raumfahrtmission erinnern. Wie gelangt man überhaupt in die Antarktis? Wie betreibt man eine Forschungsstation im Eis? Was isst man, wenn der nächste Supermarkt mehr als 4.000 Kilometer entfernt ist? Und wie hält man jahrzehntelange Messreihen unter extremen Bedingungen am Laufen?
Dazu kommen faszinierende Eindrücke einer einzigartigen Umgebung: Pinguine, Robben, riesige Eisberge und Polarlichter – aber auch Dunkelheit, Kälte und die Erfahrung, über Monate von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Ein persönlicher Einblick in eine Welt, die der Raumfahrt erstaunlich nahekommt.
Lukas Weis studierte Physik und war anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven tätig. Im Rahmen dieser Tätigkeit führte ihn sein Weg für 13 Monate in die Antarktis. Heute promoviert er am Max-Planck-Institut für Meteorologie im Bereich der Klimaphysik.
Die Veranstaltung findet in Präsenz statt, wird aufgezeichnet und zu einem späteren Zeitpunkt in Abstimmung mit dem Dozenten auf dem YouTube-Kanal UniStuttgartIRS veröffentlicht.
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