
Literaturhaus Stuttgart
Aufwühlend. Hätte man nur ein einziges Wort, um das Werk des 1990 in Bad Soden geborenen und vielfach ausgezeichneten deutsch-polnischen Schriftstellers Martin Piekar zusammenfassen, dann wäre es: aufwühlend. In Stuttgart zu Gast ist er mit seinem Romandebüt »Vom Fällen eines Stammbaums«. Es ist die Geschichte von Marcin und seiner kranken Mutter, die mit den Wänden spricht. Das Fällen eines Stammbaums bedeutet bei Piekar nicht Auslöschung, sondern Sichtbarmachung aus welchem Holz ein Mensch geschnitzt ist. Sein autofiktiver Roman erzählt von unterschiedlichen Arten von Flucht, von Krankheit, Alkohol und Entwurzelung. Eine Geschichte über Liebe und Wut, und auf jeden Fall eine Geschichte ohne simple Schuldzuweisungen. Auch in Piekars Lyrik ist das Leben ein beschädigtes – ganz im Sinne Adornos: Ein Leben, das nicht nur durch individuelle Traumata, sondern auch durch gesellschaftliche Missstände Schaden genommen hat und das dennoch mit Wucht darauf besteht, da zu sein: »ich singe für die, die spiegelbleich das grinsen des scheiterns üben«, schreibt Piekar in seinem aktuellen Lyrikband »livestream & leichen«, »ich singe, um uns allen zu beweisen, dass wir am leben sind«.
14 / 12 / 7 €
Literaturhaus Stuttgart