SymbolbildBild: TheCarnil2 · CC BY-SA 4.0
Am 22. Oktober nahm die Stadt Weinheim rund 80 Menschen mit auf einen Rundgang zu den Stolpersteinen. Die Veranstaltung fand genau 86 Jahre nach der Deportation jüdischer Bürgerinnen und Bürger nach Gurs statt. Die Teilnehmer lernten an sechs Stationen die Lebensgeschichten der Opfer kennen. Die Stolpersteine liegen dort, wo die Menschen einst lebten.
Am 22. Oktober 1940 wurden 54 jüdische Menschen aus Weinheim und fünf aus Lützelsachsen nach Gurs verschleppt. Sie mussten ihre Wohnungen schnell verlassen. Über den Weinheimer Schlosshof führte ihr Weg in die Deportation. Viele starben in Gurs oder wurden später in Auschwitz ermordet. Nur wenige konnten fliehen.
Die Geschichte der Stolpersteine
Stadträtin Elisabeth Kramer erklärte zu Beginn die Bedeutung der Stolpersteine. Das Kunstprojekt von Gunter Demnig ist das größte dezentrale Mahnmal der Welt. In Weinheim und Lützelsachsen gibt es 48 dieser kleinen Messingtafeln im Gehweg. Die Initiative startete 2005. Erste Steine wurden von 2006 bis 2009 verlegt. Später kamen weitere dazu, auch für Opfer der Krankenmorde.
Erinnerungen an einzelne Familien
An der Hauptstraße 17 erinnerten Erika Heuser und Elisabeth Kramer an die Familien Auerbacher und Lehmann. Der Religionslehrer Arthur Auerbacher und seine Familie wurden deportiert und ermordet. Emma Lehmann und ihre Tochter wurden ebenfalls Opfer des Holocaust. An der Hauptstraße 28 erzählte Carola Meyer von Max und Hannchen Neu sowie Heinrich und Clementine Weil. Auch sie überlebten nicht.
An der Tannenstraße 13 berichtete Britta Klevenz über Ludwig und Karolina Altstädter. Ludwig war Kriegsveteran und wurde in Auschwitz ermordet. Ihr Sohn Kurt überlebte und konnte später auswandern. In der Lindenstraße 16 erinnerte Monika Springer an Louis Oppenheimer und seine Töchter. An der Friedrichstraße 5 gedachten Schüler und Jugendgemeinderat den Familien Marx und Rosenberg. Blumen und saubere Stolpersteine zeigten das Gedenken.
Appell gegen Antisemitismus
Dr. Thomas Ott und Stadträtin Kerstin Treber-Koban berichteten von ihrem Besuch in Gurs. Oberbürgermeister Michael Möslang nahm an einer Gedenkveranstaltung in Freiburg teil. Er nannte die 8725 antisemitischen Vorfälle in Deutschland im Jahr 2025. Möslang forderte, Haltung zu zeigen und gegen Antisemitismus und Menschenhass zu handeln. Er sagte, Erinnern allein reiche nicht aus.
Einordnung der Redaktion, keine Aussage der Quelle.