
DAI Heidelberg
Verstehen. Wie Sprache (unsere) Welt erschafft.
Wie entstehen wissenschaftliche Erkenntnisse? Warum verändern manche Ideen die Gesellschaft – und andere nicht? Und welche Fragen beschäftigen Forschende heute?
Wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen an Resonanz, wenn sie diskutiert, hinterfragt und weitergedacht werden. Mit der Science Bar schafft das DAI einen neuen Ort für den interdisziplinären Austausch und die Begegnung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. WissenschaftlerInnen stellen in kurzen Impulsen aktuelle Forschung zu einem gemeinsamen Thema vor und eröffnen verschiedene Perspektiven darauf. Das Thema der zweiten Science Bar ist: Verstehen. Wie Sprache (unsere) Welt erschafft.
Im Anschluss stehen Fragen, Austausch und unterschiedliche Sichtweisen im Mittelpunkt – in entspannter Bar-Atmosphäre, bei einem Drink und begleitet von Musik. Ein Format, das Raum für gegenseitige Neugier und den offenen Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit schafft.
Der Eintritt ist frei.
In Kooperation mit
Mit Impulsen von:
Foto: Cornelsen Annette-Koroll
Dr. Kathrin Kunkel-Razum ist Germanistische Linguistin und war von 2016 bis 2024 Leiterin der Dudenredaktion und in dieser Zeit auch Mitglied im Rat für deutsche Rechtschreibung. Zuvor arbeitete sie bereits viele Jahre als Redakteurin beim Duden. Ihre Schwerpunkte liegen auf deutscher Sprache und Sprachentwicklung, Rechtschreibung, Phraseologie und Sprachgebrauch. Seit 2026 ist sie als Expertin für Germanistische Linguistik für den Cornelsen Verlag tätig.
Ukrainekrieg, Coronakrise, Mocktail, aber auch Hobby-Horsing, Hormonbauch, fluffig oder Routine und Deckel – nicht alle diese Wörter sind neu, aber zu allen gibt es etwas zu berichten über ihr Aufkommen und ihre Entwicklung in der letzten Zeit. Warum und wie entstehen aber überhaupt neue Wörter bzw. wie verändern sich altbekannte? Welche davon schaffen es in ein Wörterbuch und machen so ein Nachschlagewerk zu einem Spiegel seiner Zeit?
Und auch wenn der Wortschatz der dynamischste Teil unserer Sprache ist, es verändern sich auch Grammatik-, Stil- und Kommunikationsnormen sowie unser Blick auf die Sprache ständig. Welchen Anteil haben wir selbst daran und was regelt der Staat? Das Statement gibt einen Einblick in die faszinierende Welt unserer Sprache, die im unablässigen Wandel ist.
Foto: Universitätsmedizin Mannheim
PD Dr. Achim Schilling ist Neurowissenschaftler, Physiker und KI-Forscher. Er leitet die Arbeitsgruppe für Neuro-KI und Gehirn-Computer-Schnittstellen („NeuroAI and BCI“) am MCNN der Medizinischen Fakultät (Universitätsmedizin Mannheim) der Universität Heidelberg.
Foto: Universitätsmedizin-Mannheim
PD Dr. Patrick Krauss leitet als Physiker, Kognitions- und Neurowissenschaftler die Arbeitsgruppe Physik und Kognition am Mannheimer Zentrum für Neuromodulation und Neuroprothetik der Universität Heidelberg und steht zusätzlich der Arbeitsgruppe Kognitive und Theoretische Neurowissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg vor.
Was können wir aus künstlichen neuronalen Netzen über menschliches Sprachverstehen lernen? Unsere Arbeiten zeigen, dass beim Vorhersagen kommender Wörter spontan abstrakte sprachliche Strukturen entstehen – von Wortklassen bis zu grammatischen Konstruktionen. Zugleich zeigen EEG-Daten, dass auch das menschliche Gehirn Sprache fortlaufend vorhersagt und seine Aktivität davon abhängt, wie erwartbar ein kommendes Wort ist. Parallelen zu modernen Sprachmodellen machen KI so zum Werkzeug, um zu verstehen, wie Bedeutung, Vorhersage und Verstehen entstehen.
Foto: Janine Dengler
Janine Dengler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Germanistischen Seminar im Bereich Linguistik. Sie forscht in einem vom BMFTR geförderten Projekt zu Moralisierungen im Diskurs um Künstliche Intelligenz. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem Diskurs- und Korpuslinguistik, Pragmatik, Annotationsstudien und Fachsprachenforschung.
In den Medien wird Künstliche Intelligenz immer wieder mit positiven und negativen Werten sowie Vorstellungen verbunden: Sie gilt etwa als Helferin oder Werkzeug, wird aber auch als Bedrohung oder „Jobkiller“ bezeichnet und mit Kontrollverlust in Verbindung gebracht. Wenn moralische Werte und Bewertungen gezielt eingesetzt werden, um andere zu überzeugen, sprechen wir aus sprachwissenschaftlicher Sicht von Moralisierungen. Der Vortrag erläutert, was Moralisierungen auf sprachlicher Ebene ausmacht, woran wir sie erkennen und inwiefern die Art und Weise, wie wir über KI sprechen, auch unsere Wahrnehmung beeinflusst.
Foto: Pädagogische Hochschule Heidelberg
Markus Fertig ist akademischer Mitarbeiter für Gebärdensprachdolmetschen an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Als von Geburt an tauber Gebärdensprachnutzer beschäftigt er sich mit Deutscher Gebärdensprache, Barrierefreiheit und der gleichberechtigten Teilhabe tauber Menschen.
Foto: Pädagogische Hochschule Heidelberg
Prof. Dr. Uta Benner ist Professorin für Gebärdensprachdolmetschen und Studiengangsleiterin an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Ihre Schwerpunkte liegen auf Deutscher Gebärdensprache, Deaf Studies, Professionalisierung im Dolmetschen sowie Barrierefreiheit und gesellschaftlicher Teilhabe.
Gebärdensprachen sind eigenständige, lebendige Sprachen, die zur Kommunikation den Raum nutzen. Doch was zeichne diese visuellen Sprachen genau aus, wie funktionieren ihre Grammatik und ihr Ausdruck – und welche Bedeutung haben sie für die Gemeinschaft und Kultur T*tauber Menschen? In unserem Beitrag gehen wir diesen Fragen auf den Grund. Wir vermitteln verständliches Grundwissen, räumen mit verbreiteten Vorurteilen auf und zeigen, wie vielfältig gebärdensprachliche Kommunikation und T*taube Kultur sind. Dabei möchten wir Neugier wecken, neue Perspektiven eröffnen und zu persönlichen Begegnungen sowie einem respektvollen Austausch einladen.
Mit Musik von Dirik Schilgen (Schlagzeug), Thomas Wind (Piano) und Matthias Debus (Kontrabass)
Foto: Gabriele Schilgen
Der Schlagzeuger, Komponist und Bandleader Dirik Schilgen studierte Jazz am Hilversum Conservatorium in den Niederlanden und lebt seit 1991 in Heidelberg. Seine musikalische Bandbreite reicht von Swing und Modern Jazz über Soul und Jazzrock bis zu brasilianischer und lateinamerikanischer Musik. Neben internationalen Konzerttourneen, Rundfunkproduktionen und seiner Tätigkeit als Schlagzeugdozent ist er in zahlreichen genreübergreifenden Projekten aktiv. Mit seiner eigenen Band Dirik Schilgen JazzGrooves verbindet er diese vielfältigen Einflüsse in eigenen Kompositionen und Arrangements, zuletzt auf dem Album „Out Into New“ (2022).
Foto: Privat
Der Pianist und Keyboarder Thomas Wind bewegt sich musikalisch zwischen traditionellem Jazz, Jazzrock, Soul und Funk. Seine Karriere begann er als Pianist in Dixielandbands, bevor er sich Fender Rhodes, Synthesizer und Vibraphon zuwandte und unter anderem mit dem Gitarristen Biréli Lagrène und der britischen Jazzsängerin Helena Paul zusammenarbeitete. In den vergangenen Jahren widmete er sich insbesondere den Jazzpiano-Stilen der 1960er-Jahre, geprägt von Musikern wie Ray Bryant, Gene Harris und Ramsey Lewis. Heute ist er sowohl solistisch als auch in verschiedenen Trio-Formationen wie „The In Crowd“ und den „Jazzboosters“ aktiv.
Foto: Hugo Debus
Der aus Speyer stammende Kontra- und E-Bassist, Komponist und Arrangeur Matthias Debus studierte Jazz-Kontrabass an der Musikhochschule Würzburg und lebt seit 2002 in Mannheim, wo er fest in der regionalen Jazzszene verankert ist. Seine musikalische Bandbreite reicht von Jazz und World Music über Rock und zeitgenössische Musik bis hin zu genreübergreifenden Projekten. Er spielt unter anderem im Alexandra Lehmler Quartett und bei Dirik Schilgen JazzGrooves. Neben seiner Konzerttätigkeit engagiert er sich als Instrumentallehrer und vermittelt mit seiner Band „Improvidings“ Kindern und Jugendlichen die Freude am Jazz und an der Improvisation.
Deutsch-Amerikanisches Institut Heidelberg